Über Sao Paulo zu den Iguacu Wasserfällen

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Ein weiteres Highlight unserer bisherigen Reise waren die Wasserfälle des Flusses Iguacu. Aber auch der Weg dorthin über Sao Paulo war spannend…

Es geht mit dem Bus Richtung Süden!

Wie schon angekündigt, wollen wir letztlich bis ganz nach Süden (oder zumindest fast). Der Sommer auf der Südhalbkugel geht langsam zu Ende und daher macht es Sinn nun langsam wieder weiter zu ziehen. Und was findet man wenn man von Rio de Janeiro aus nach Süden geht? Richtig, den Atlantik 🙂 Und da wir derzeit kein Boot zur Hand haben wird es wohl doch Süd-Westen, nämlich nach Sao Paulo. Und wie kommt man am Besten von Rio nach Sao Paulo? Natürlich mit dem Bus. Das Fernbusnetz in Brasilien, und ganz Südamerika ist extrem gut ausgebaut und in den Busterminals der größeren Städte sieht es aus wie in einem mittelgroßen Flughafen. 

Auch die Qualität der Busse und der Komfort ist nicht mit den deutschen Standard-Reisebussen zu vergleichen. Es gibt hier die Möglichkeit für ein paar Real Aufpreis, sich in die „Liegeklassee“ oder auch „Schlafklasse“ upzugraden. In diesen Luxus-Klassen sind dann nur 3 Sitze nebeneinander und auch der Abstand zum Vordermann ist mehr als man braucht. Somit kann man mit gut ausgewählten Reisezeiten Übernacht auf 160°-Sitzen schlafen und spart sich dazu noch eine Unterkunft. Also wer 20 Stunden auf der Couch sitzen kann, der kann auch 20 Stunden mit dem Bus fahren. Preislich ist man auch meist besser dran als mit dem Flugzeug, wobei bei besonders längeren Strecken verglichen werden sollte, denn die Flüge hier sind auch wirklich günstig wenn man etwas flexibel ist. Unsere Lieblingsseite zum finden der besten Bus-Verbindungen rund um den Globus: www.Busbud.com –> Damen hoch! Wenn jemand eine noch bessere kennt, immer her damit!

Sao Paulo - Eine monströse Stadt mit einigen Highlights und leider auch Schattenseiten

2020_SaoPaulo_Brasilien - 30

Sao Paulo stand eigentlich nicht auf unserer Bucket-List, aber wenn sich eine Gelegenheit bietet, die größte Stadt Südamerikas zu besuchen dann sagen wir auch nicht nein. Mit mehr als 21 Millionen Einwohnern innerhalb der Metropolregion ist die Stadt wirklich gewaltig. Wir haben also beschlossen auf unserem Weg Richtung Süden, 3 Tage lang dort zu bleiben. Also spontan ein günstiges Hotel gebucht und gegengecheckt, ob wir nicht aus versehen in einer Favela landen. Laut Google war die Gegend „OK“ also –> passt schon! Wenn man dann bei der Ankunft feststellt das man das Hotel auch nur für 3 Stunden mieten kann ist dann nochmal eine andere Geschichte 🙂 Jedenfalls kam wiedermal unser Hüttenschlafsack zum Einsatz, welcher hauptsächlich gegen Kopfkino helfen sollte, denn eigentlich war alles recht sauber. Auch das nähere Umfeld war uns nicht sonderlich geheuer, weshalb wir nach Einbruch der Dunkelheit nur noch mit Uber unterwegs waren. Safety Third! ABER, wir haben schon schlechter geschlafen und es war dann auch halb so schlimm, denn alle Leute mit denen wir Kontakt hatten, waren wie immer supernett (und konnten wie immer kein einziges Wort Englisch).

Beim Erkunden der restlichen Stadt hatten wir gemischte Gefühle. Als wir in Rio mit Leuten geredet haben, um zu fragen ob sich Sao Paulo lohnen würde, kam als Antwort: „In der USA wäre der Vergleich Rio -Miami und SaoPaulo – NewYork“. Deshalb hatte ich mich als NewYork-Fan eigentlich wirklich darauf gefreut. Unsere Erwartungen wurden leider nicht erfüllt, denn bis auf die Einwohnerzahl haben die beiden Städte wirklich nicht viele Gemeinsamkeiten. Der Flair ist definitiv nicht zu vergleichen. Lediglich im Bankenviertel und einigen vereinzelten Plätzen der Stadt haben wir uns wirklich wohl gefühlt. Das sonstige allgemeine Stadtbild ist leider geprägt von vielen Obdachlosen und Bettlern welche einen mal mehr, mal weniger aufdringlich nachstellen. 

Die imposante Catedral da Sé, die katholischen Kathedrale von Sao Paulo, ist zwar wirklich sehenswert, jedoch war sie bei unserm Besuch belagert von Obdachlosen und aggressiven selbsternannten Predigern welche Passanten ihre Theorien nahebringen wollten.  In Summe haben wir uns nicht wirklich wohl gefühlt und haben deshalb auch unseren Aufenthalt auf 2 Tage gekürzt. Durch unsere spontane Art zu Reisen ist das ja kein Problem, lediglich eine Nacht im „Stundenhotel“ ist verfallen, aber dabei sprechen wir von 15€, also kein Beinbruch. Die Strawanzer mussten einfach mal wieder aus der Großstadt raus (vielleicht lags ja an uns und nicht an SP 🙂 ) 

Unsere Lieblingsecke in Sao Paulo --> Batman's Alley

Es war natürlich nicht alles schlecht an SaoPaulo und wir haben den einen oder anderen Ort besucht, der sich wirklich gelohnt hat. Die schönste Ecke war mit Abstand, die „Beco do Batman“ oder auf englisch „Batman’s Alley“. Das ist die Gegend um die Rua Gonçalo Afonso und die Rua Medeiros de Albuquerque im Viertel Vila Madalena. Hier hat in den 80ern jemand ein Batman-Graffiti an die Wand gesprüht. Über die Jahre haben immer mehr andere Street Art Künstler ihre Werke daneben gesprayed und nach und nach wurde die Gasse und die nähere Umgebung zum Kult. Es gibt hunderte Graffiti Kunstwerke auf engstem Raum, welche die Gegend zum beliebten Treffpunkt junger Reisenden aus aller Welt macht. Wir jedenfalls waren richtig begeistert von dem künstlerischen Niveau dieser Street-Gallery und auch von der generellen Atmosphäre dort. Wer hier in der Nähe ist –> unbedingt anschauen! Hier ein paar Schnappschüsse (natürlich alle, es sind nämlich einfach zu viele…)

Die Iguacu-Wasserfälle

Nachdem wir so positive Erfahrungen mit den Fernbussen in Brasilien gemacht haben, sind wir auch die 1100km bis nach Foz do Iguazu mit dem Nachtbus gefahren. (19 Stunden —> Kein Problem). Die Iguazu Wasserfälle sind eigentlich gar nicht sooo bekannt wie sie eigentlich sein müssten. Wir kannten sie ehrlich gesagt auch nicht, bis wir kurz vor unserer Abreise darauf aufmerksam gemacht wurden. Hier nochmal ein großes Dankeschön an die liebe Tanja!! Der geringe Bekanntheitsgrad liegt eventuell an dem abgelegenen Standort in Mitten Südamerikas, wir wissen es nicht. Fakt ist aber, zusammen mit den Niagara-Fällen und den Victoria-Fällen gehören sie zu den größten Wasserfällen der Welt. Wie man die „größten“ definiert ist eben schwer zu sagen. Wenn es um die „Breite“ geht, haben die Iguacu-Falls die Nase mit 2,7km eindeutig vorn. Die Höhe von 82m ist im internationalen Vergleich noch ausbaufähig, aber nichts desto trotz sehr hoch. Auch die Wassermenge von bis zu 7000l. Letztlich ist es egal ob sie die Größten sind, auf jeden Fall sind die Iguazu Wasserfälle GIGANTISCH und wer die Möglichkeit hat sie zu sehen, sollte diese wirklich ergreifen. 

Foz do Iguacu - Die brasilianische Seite der Wasserfälle

Die Wasserfälle sind genau and der Grenze von Brasilien und Argentinien, jedoch liegt der Großteil der Fälle auf der argentinischen Seite. Somit hat man von Brasilien aus den besten Panorama-Blick auf das Spektakel. Da wir aus Sao Paulo angereist sind, fingen wir natürlich auch auf der brasilianischen Seite an. Es gibt praktisch in jedem Hotel die Möglichkeit Touren zu den Fällen zu buchen, jedoch geht es auch ganz einfach auf eigene Faust und zwar um einiges günstiger. Es fahren alle 20 Minuten Linienbusse (Linie 120) bei denen man einfach zusteigen kann und für 1,5 Euro bis zum Eingang der Wasserfälle fahren kann. 

Dort angekommen wird man dann leider sehr touristisch in gesonderte Shuttle-Busse verfrachtet und zu verschiedenen Haltestellen im Naturschutz-Park gefahren. Man steigt aus, je nach dem wie weit man zu Fuß gehen will und wie viel man sehen will. Man kann auch bis zu den großen Fällen direkt durchfahren und ist in 30 Minuten wieder draußen. Wir haben uns dann doch für den langen Weg entschieden, und es hat sich auch gelohnt. Man kann so etwa 2-3 Stunden auf einem Weg neben dem Fluss gehen und hat immer wieder neue Panoramen vor der Linse. Zum Schluss kommt man auf eine Art Plattform auf halber Höhe neben den Wasserfällen. Uns hat der Tag auf alle Fälle sehr gefallen und wir würden es wieder genauso machen. Die Fälle sind wirklich eine Reise wert und man kann auch mal ne halbe Stunde einfach nur Zuschauen und sich das ohrenbetäubende Rauschen anhören… Da wir einen der ersten Busse des Tages genommen haben, war auch auf der Plattform noch Platz für uns 🙂 

Puerto Iguazu - Die argentinische Seite der Wasserfälle

Wie bereits vorher erwähnt ist der größte Teil der Wasserfälle auf der argentinischen Seite, daher hat man auf dieser Seite auch die Möglichkeit viel näher an das Geschehen heran zu kommen. Da wir von der brasilianischen Seite bereits sehr begeistert waren, haben wir die andere Seite natürlich auch mitgenommen. Also mit Uber zur Grenze gefahren und mit vollem Marschgepäck durch die Grenzkontrolle. Da die Grenzen von Brasilien und Argentinien fast 4 Kilometer auseinander sind, macht es Sinn sich um ein paar Euro wieder in einen Bus einzukaufen, der einen auf die andere Seite des Flusses mitnimmt. Unser Hostel in Puerto Iguazu war diesmal ein ziemlicher Griff ins Klo. Zu unserem Aufenthalt gab es gratis dazu: – durchbruchgefährdete Stockbetten, -Eidechsen im Bett, -Kakerlaken im Wasserkocher, -verschimmeltes Essen im Kühlschrank, … und vieles mehr. Was solls, wir leben noch und sind wieder um eine Erfahrung reicher. (Und Sylvia hat endlich mal eine Kakerlake gesehen).

Genau wie auf der brasilianischen Seite kann man ganz einfach auf eigene Faust den Stadtbus nehmen und muss hier nicht unnötig viel für einen Transport bezahlen. Der Naturschutz-Park auf der argentinischen Seite ist um einiges größer als der auf der anderen Seite und man kann hier den ganzen Tag verbringen (oder auch 2). Es gibt mehrere Wanderwege auf denen man jeweils 1-2 Stunden durch den Atlantik-Dschungel laufen kann. Mehrere Kilometer des Wanderwegs sind auch über den Fluss gebaut, was uns besonders Spaß gemacht hat. Die Wanderwege haben immer wieder Aussichtsplattformen integriert bei denen man die Wasserfälle von oben oder auch von unten bewundern kann. Auf den Wanderwegen trifft man immer wieder auf niedliche Nasenbären, welche aber auch etwas aggressiv werden können sobald sie Essen riechen oder sehen. Wir konnten auch Zeugen werden, wie ein paar besonders rabiate Exemplare auf einen Tisch gesprungen sind und zwei jungen Mädels die Brotzeit aus der Hand gerissen haben. Die beiden waren wenigstens klug genug, nicht darum zu kämpfen, da man bei den scharfen Krallen nur den Kürzeren ziehen kann. Das große Highlight des Parks ist der berühmte „Teufelsschlund“. Hier kann man auf einer Plattform direkt von oben in die Tiefe der größten Wasserfall-Formation schauen. So etwas haben wir wirklich noch nie gesehen. Man kann vor lauter Gischt kaum atmen und die Atmosphäre ist leider nicht auf Bildern festzuhalten. Wer zwei Tage Zeit hat, dem können wir auf alle Fälle ans Herz legen, beide Seiten zu besuchen. Wer allerdings nur einen Tag zur Verfügung hat, dem würden wir beinahe die argentinische Seite empfehlen. Der Panorama-Blick auf der brasilianischen Seite in allen Ehren, jedoch ist die Gänsehaut bei einem Blick auf den Teufelsschlund unbezahlbar. Man kann dort die Gewalt des Wasser wirklich spüren und der ganze Besuch ist einfach viel intensiver. 

Next Stop?

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