Karneval und Sight-seeing in Rio de Janeiro

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Die Stadt am Atlantik hat auch Abseits des Karnevals einiges zu bieten! Hier ein paar Eindrücke und Erfahrungen von uns.

Ankunft und erste Orientierung in Rio de Janeiro

Die nächste Station auf unserer Reise war nun also Rio de Janeiro, die Mega-City mit etwa 13 Millionen Einwohnern im Großraum. Da wir uns aus diversen Gründen zu einer Anreise per Flugzeug entschieden haben, war dieser Teil der Reise eher weniger spektakulär. Der Flug von Natal startete um 3 Uhr Nachts und so landeten wir gegen 6 Uhr am internationalen Flughafen (GIG) in Rio. Weitaus interessanter als die ersten paar tausend Kilometer waren die letzten zwanzig. Wenn man während des berühmten Karnevals nach Rio will und gleichzeitig mit eingeschränktem Budget reist, muss man damit rechnen sein Hotel außerhalb des Zentrums suchen zu müssen. Da wir unsere Hotels prinzipiell sehr spontan buchen, sind wir des Preises wegen nach Barra da Tijuca ausgewichen. Jedes Hotel unter 50 Euro im Zentrum wäre in einer Favela (Slum) gewesen, und das sollte auf jeden Fall vermieden werden. (ACHTUNG an dieser Stelle: Die Vermieter und Hotelbesitzer sagen einem vorab nicht in welcher Gegend ihre Unterkunft liegt, hier sollte man penibel recherchieren, ansonsten kann es schlimmstenfalls wirklich gefährlich werden) 

Da wir zwei Sparfüchse nun erstmal 20 Kilometer vom Flughafen zum Hotel kommen mussten, entschieden wir uns dafür die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. (kann ja nicht so schwer sein…) Ah OK, die Metro fährt ja garnicht bis zum Flughafen. —> Macht nix, nehmen wir eben den Bus (kann ja nicht so schwer sein…) Ah OK, der Fahrkartenautomat ist kaputt und ein alter Mann steht daneben. Kurz zur Erinnerung: In Brasilien spricht KEIN MENSCH Englisch! Also versuchten wir diesem nettem Herren klar zu machen wo wir hin wollen und er hat uns dann auf perfektem Portugiesisch geantwortet was wir machen sollen. Zehn Minuten gestikulieren später hat uns der Mann in die fragenden Gesichter geblickt und uns einfach das Drehkreuz geöffnet. 🙂 Etwas verunsichert und ohne zu bezahlen sitzen wir nun mit unserem kompletten Marschgepäck im Linienbus und starten die 2-stündige Fahrt durch Rio (Was soll jetzt noch schief gehen…?) Ah OK, es ist jetzt ungefähr 7 Uhr und während dieser Rush-Hour steigen also noch 200 Menschen zusätzlich in diesen Bus ein 🙂 Hätte nur noch gefehlt, dass der Bus in einer der vielen Favelas liegen bleibt, die wir durchquert haben. Long Story short: Wenn du jemals in Rio ankommst und zum Hotel kommen —> Gönn dir eine Uber-Fahrt

Aber egal, das Hotel war sehr spartanisch aber hat seinen Zweck erfüllt. Die Klimaanlage hat sich zwar angehört wie ein Rasenmäher, funktioniert hat sie jedenfalls! Die Mitarbeiter an der Rezeption sprechen, oh Wunder, perfektes Portugiesisch 🙂 Hat man sich erstmal etwas orientiert, ist der Rest dann nicht mehr so schwierig. Wir haben uns hauptsächlich zu Fuß und mit der Metro fortbewegt was auch sehr gut funktioniert hat. Einzig die Gefahr das man zu Fuß geradewegs in eine Favela läuft, muss man ständig im Auge behalten. Ansonsten haben wir uns eigentlich nie wirklich unsicher gefühlt —> Paranoia bzgl. „gefährliches Rio“ sind unser Ansicht nach unangebracht. Halte dich an die Standard-Sicherheitsregeln für zwielichtige Städte und dir passiert nichts. (zumindest nicht mit höherer Wahrscheinlichkeit als in jeder anderen Großstadt)

Die Besuche der Top-Sehenswürdigkeiten in Rio

Neben der bunten Stadt mit dem vielfältigen Kulturen, den tollen Graffitis und dem schönen Wetter hat Rio de Janeiro auch einige Wahrzeichen und Hotspots welche wirklich sehenswert sind. Hier haben wir unsere Lieblinge kurz aufgelistet:

Cristo Redentor (Christus Erlöser-Statue)

Der Klassiker unter den Sehenswürdigkeiten in Rio de Janeiro ist natürlich die große Christus Statue auf dem Berg Corcovado mitten im Tijuca Nationalpark. Natürlich haben wir uns nicht nehmen lassen die Statue zu besuchen (so wie die anderen Viertausend Menschen an diesem Tag) Obwohl wir eigentlich keine Fans solcher Touristen-Herden-Triebe sind, kommt man manchmal einfach nicht drum rum. Also sind mir mit dem Kleinbus bis zur Basis-Station und dann mit einem „offiziellen“ Kleinbus weiter bis zur Spitze des Berges. Von dort aus kann man sich entscheiden ob man die letzten 50 Höhenmeter mit dem Aufzug oder per Treppe hinter sich bringt. Die Statue aus Stahlbeton ist in Zahlen betrachtet eigentlich nicht sonderlich beeindruckend: Sie ist lediglich 30 m hoch und steht auf einem 8 Meter hohem Sockel (zum Vergleich ist die Freiheitsstatue mit Sockel 93 m hoch) Jedoch ist die vergleichsweise „kleine“ Statue ABSOLUT MONUMENTAL wenn man in der Höhe dieses Berges direkt vor ihr steht. Was wir übrigens nicht wussten: Im Sockel ist eine kleine Kappelle für die katholischen Besucher. Auch der Blick über Rio ist phänomenal. Wer es jetzt noch schafft die unzähligen anderen Touristen auszublenden, ist ein Besuch der Christus-Statue absolut zu empfehlen.

Pão de Açúcar (Zuckerhut)

Der Berg mit seiner seltsamen Form ist neben der Christus Statue praktisch das zweite Wahrzeichen Rio de Janeiros. Dieser 396 m hohe Granit-Brocken verdankt seinem Namen einerseits seiner Form und zum anderen der Wichtigkeit der Zuckerindustrie während der Kolonialzeit. Man kann mit dem O Bondinho, der Seilbahn des Zuckerhuts, bis zum Gipfel fahren und dort den atemberaubenden Blick auf die Copacabana und die Guanabara-Bucht genießen. Wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter, denn etwa 20 Minuten nach unserem Besuch begann es zu regnen und die Sicht war gleich Null. Als Fazit kann man sagen: Es bei Weitem nicht der höchste Gipfel Rios, geschweige denn Brasiliens, jedoch der Bekannteste. Wer einen besseren Blick über Rio findet den man ohne Bergsteiger-Ausrüstung oder Hubschrauber erreichen kann, der soll sich bitte bei uns melden 🙂

Escadaria Selarón - (Selaron Treppe)

Die wohl berühmteste Treppe Südamerikas in Mitten des Zentrums von Rio de Janeiro. Die Treppe liegt am Künstler-Viertel und ist mittlerweile eine der meistfotografierten Plätze in ganz Rio. Der in Chile geborene Künstler Jorge Selaron wollte in den 90ern eigentlich nur die Treppe vor seinem Haus etwas verschönern, weil diese schon sehr in die Jahre gekommen war. Er begann also die 215 Stufen mit gesammelten Kacheln zu fliesen. Anfangs wurde er von den Nachbarn noch belächelt und die meisten waren mit seiner Farbauswahl nicht einverstanden. Nach und nach wurde der Künstler fast besessen von seinem Projekt. Durch die besondere Gestaltung, und die vielen internationalen Kontakte die der Künstler bereits vor seiner Zeit in Rio geknüpft hatte, wurde die Treppe langsam zum richtigen Kult und zu einem stetig wachsenden Kunstwerk. Es wurden hunderte Kacheln aus aller Welt zu ihm geschickt, um Teil dieser Treppe zu sein. Als wir die Treppe besucht haben, waren gerade geschätzte tausend Leute auf ihr beim Karneval feiern. Die Stufen waren kaum sichtbar, doch die erste Kachel die Sylvia genauer betrachtete war direkt ein Kachel welche aus Straubing gespendet wurde. (Unheimlich) Es ist auf jeden Fall ein ganz besonderes Kunstwerk, welches man gesehen haben sollte.

Copacabana und Ipanema

Sowohl die Copacabana als auch Ipanema sind wohl die zwei Namen an die man sofort denken muss wenn man an den klassischen Rio-Strandurlaub denkt. Die zwei Stadtteile Rios sind wohl auch die bekanntesten. Wir haben uns beide Strände angeschaut und haben so ziemlich genau das vorgefunden was wir erwartet haben, einen Touristen-Abfertigungs-Betrieb mit Sonnenschirmen, teuren Getränken und Strandverkäufern. Wer nur einen Strandurlaub will, findet bestimmt schönere Ecken auf unserer Erde. Bei uns war zusätzlich die Ausnahmesituation des Karnevals, was natürlich auch nicht gerade entspannen gewirkt hat. Was uns jedoch wirklich beeindruckt hat, waren die Wellen in Ipanema welche zur Flut am Strand ankamen. Riesige Wellen mit toll ausgebildeten Tunneln am Ende. So etwas kannten wir bisher nur aus Filmen.

Und jetzt mal ehrlich… wer fliegt nach Rio und schaut sich nicht die Copacabana an???

Catedral Metropolitana de São Sebastião de Rio de Janeiro

Von viele auch nur „Catedral“ genannt war dieses Gotteshaus für uns auch sehr interessant. Wie wir nun schon des öfteren in Brasilien gesehen haben, halten die Brasilianer ihre Kirchen eher schlicht und zweckdienlich als prunkvoll und pompös. Die Kathedrale ist nur aus Stahlbeton und ohne Wandverputzung gebaut und bietet Platz für 20.000 Kirchenbesucher (stehend). Wir fanden die Kirche trotzdem beindruckend, fast wie eine 75m hohe Inka-Pyramide –> jedoch werden trotz der Ähnlichkeit, jegliche Verbindungen dazu, durch Kirche und Architekt verneint.

Karneval in Rio de Janeiro

Das Sambodrom und der Wettkampf der Samba-Schulen

Wir hatten das (etwas geplante) Glück während des Karnevals in Rio de Janeiro zu sein. Wer kennt sie nicht, die Ausschnitte aus dem Karneval mit den hübschen und spärlich bekleideten Sambatänzerinnen, den opulenten Kostümen und den feierlich geschmückten Umzugswägen?! Was viele aber nicht wissen (uns bislang eingeschlossen), dass es sich hierbei um einen Tanzwettbewerb handelt. Dieser findet in 4 aufeinanderfolgenden Tagen statt, wobei die ersten Tage für Vorentscheide und Aufstiegskampf in die Oberliga für das nächste Jahr reserviert sind. Der letzte Tag stellt selbstverständlich das große Finale der besten Sambaschulen dar. Hier darf angemerkt werden, dass mit den sogenannten „Schulen“ aber keine Lehrveranstaltungen gemeint sind, sondern einfach die Vereine im Sambabereich so genannt werden. Eine Schule kann bis zu unglaublichen 6.000 Mitglieder umfassen, die hauptsächlich aus Tänzern und Trommlern bestehen. 

Der Wettbewerb findet im eigens dafür gebauten Sambodrom statt, das fast 90.000 Zuschauern Platz bietet. Hier zieht jede Schule mit Tänzern, Trommlern und den Umzugswägen durch die ca. 700 Meter lange Arena und hat dabei für ihre Darbietung maximal 120 Minuten Zeit, wobei eine Zeitüberschreitung mit Punktabzug bestraft wird. Bei 6 Schulen pro Tag, kann diese Veranstaltung somit bis zu 12 Stunden dauern. Die besten Schulen dürfen dann am darauffolgenden Samstag noch einmal auftreten.

Wir haben lange überlegt, ob wir ins Sambodrom gehen wollen. Da wir aber relativ spät dran waren, um Tickets zu organisieren, wären nur noch solche für die „schlechten“ Ligen am Samstag übrig gewesen bzw. überteuerte Schwarzmarktkarten für mehrere hundert Euro für die weiteren Tage. Da der Wetterbericht außerdem teils starken Regen für die besagten Termine gemeldet hat und in der Arena nur die Luxusplätze für über 1000 Euro eine Überdachung haben, haben wir dann doch darauf verzichtet.

Wir konnten aber zum Glück noch einige der Festwägen live sehen, die in der Nähe der Arena bis zum Wettbewerb abgestellt wurden. 

Blocos! Der Karneval auf den Straßen Rios...

Die Brasilianer brauchen aber auch keinen Wettbewerb, um den Karneval ausschweifend zu feiern. Die sogenannten „Blocos“ sind an den Faschingstagen in der ganzen Stadt zu finden. Wer mal Interesse daran hat: auf dieser Seite sind zumindest die offiziell angemeldeten Blocos mit ihrem jeweiligen Startpunkt vermerkt.  Hier finden sich ebenfalls Trommler und Tänzer ein und je nach Größe des Blocos auch Umzugswägen.

Wir waren am Samstag bei einem Bloco in einer Parallelstraße neben der Copacabana. Offizieller Beginn war 14 Uhr. Pünktlich wie sich das gehört, waren wir dann nach einem Spaziergang entlang der Copacabana dann um kurz vor 14 Uhr dort. Tja, was soll man sagen, das mit der Pünktlichkeit hätten wir uns sparen können. Bei unserer Ankunft wurde zwar schon gefeiert. Fast alle Anwesenden waren verkleidet (wobei als Verkleidung meist ein Badeanzug+Tütü+Kopfschmuck herhalten musste, auch bei den Männern) und bereits am Trinken und Tanzen, aber vom offiziellen Teil war nichts zu sehen. Also erstmal rein ins Getümmel und ein Bier bei den unzähligen „Handkarren mit Kühlbox“-Verkaufsständen geholt. Hier empfiehlt sich dann den wohl wichtigsten Satz der ganzen Getränkeverkäufer zu verinnerlichen „tres po dez“ —> „drei für zehn“ (10 brasilianische Real sind knapp über 2 Euro). Man bekommt hier dann entweder 3x 250 ml Bier oder 3x 500 ml Wasser und muss sich nicht mit Kleingeld rumschlagen! Daumen hoch!

Nachdem immer mehr Trommler eingetroffen sind, ging dann der Umzug tatsächlich noch los, um 16.30 Uhr, also 2,5 h später als erwartet 😀 Nachdem die Trommler an den Zuschauern vorbeigezogen sind, reihen sich diese ebenfalls in den Umzug ein. Wir sind dem ganzen Treiben ebenfalls gefolgt, bis nach mehreren hunderten Metern endlich, die nach mehreren Stunden sehnlichst erwarteten, Dixie-Klos aufgetaucht sind. Nach der Toilettenpause sind wir erneut dem Umzug hinterher, nachdem dann aber ein richtiger Wolkenbruch auf uns runter gekommen ist, haben wir uns entschieden, für den ersten Tag genug gesehen zu haben und am nächsten Tag noch einen zu Besuchen.

Am Sonntag gings sodann an den berühmten Ipanema Strand zum nächsten Bloco. Auch hier hat sich die Startzeit wieder um 2,5 Stunden verschoben, dies ist hier anscheinend so die Norm. Gut zu wissen! Dieses mal haben wir eine richtig große Veranstaltung erwischt. Waren es am Vortag „nur“ geschätzte 1.000 Leute, konnten wir nun überhaupt keine Schätzung mehr abgeben, in dem relativ kurzen Abschnitt den wir überblicken konnten, waren schon mehrere tausend Personen. Auch hier wieder waren zahlreiche Verkleidungen zu sehen. Als der Zug losging waren wir allerdings dann doch etwas enttäuscht, anstand wie am Vortrag eine große Anzahl professioneller Trommler zu sehen, die sich auf das Ganze vorbereitet haben, gabs hier einen etwas lieblos geschmückten Wagen mit Sänger oben auf, die sehr an Ballermann erinnert haben. Nachdem dem Umzug vorbei war, haben wir wegen dem erneut aufkommenden Regen versucht, so schnell wie möglich zur Metro zu kommen, was aufgrund der Menschenmassen ein überaus schwieriges Unterfangen war. Nach einer halben Stunden Kampf durch verschwitze, mit Glitzer bestrichene, nackte Oberkörper und ständig den einprägsamen Duft einer Mischung aus Bier, Caipirinha und Urin in der Nase, konnten wir uns dann wieder frei bewegen und unseren Heimweg antreten.

Als Fazit zu den Blocos können wir sagen, dass diese wirklich sehenswert sein können. Die vielen kostümierten Menschen, überall Samba-Musik, die Trommler, alle tanzen. ABER: für unseren Geschmack sind die kleineren Umzüge die deutlich bessere Wahl. Es ist übersichtlicher, die Veranstalter haben hier mehr Liebe zum Detail gezeigt und wollten nicht nur für die Fernsehkameras eine möglichst hohe Besucheranzahl darbieten. Solltet ihr also mal in den Genuss kommen Karneval hier in Rio zu verbringen, fragt unbedingt bei den Einheimischen nach wo/wann ein Bloco „pequeno“ stattfindet und nicht nach der „Grande“-Version.

Zur Sicherheit in den Blocos: wir wurden gewarnt sehr vorsichtig hinsichtlich der Kriminalität zu sein. Hierzu ist zu sagen, dass wir zu keiner Zeit in einer bedrohlichen Situation waren. Aber bei großen Menschenansammlungen ist natürlich die Gefahr von Taschendiebstahl doch etwas erhöht. Wir hatten daher außer unseren Handys und etwas Bargeld keine weiteren Wertgegenstände dabei. Diese hatten wir in einer Hosentasche mit Reisverschluss bzw. in einer Bauchtasche untergebracht. Eine locker sitzende Handtasche z. B. würden wir hier nicht unbedingt empfehlen.

Und noch ein paar Impressionen zum Schluss!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Anonymous

    Schön, dass ihr uns bei eurem Abenteuer dabei sein lasst ?. Geiler Reisebericht!!! Weiterhin eine tolle Zeit, passt gut auf euch auf. Freuen uns auf weitere Blogs ???. Katrin und Hermann

    1. Michael

      Dankeschön, wir halten euch weiter auf dem Laufenden ? Gruß aus Buenos Aires!

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