Finanzen auf Reisen

        #005 

Ganz ohne geht es nicht… Hier alles rund um das Thema Geld! 

Papierschiff aus Geldschein

All about the money!

„Wie sie auszogen, die Welt zu sehen und pleite zurück kamen“ – Damit dieser Spruch nicht zur bitteren Realität wird, muss man seine Finanzen stets im Blick behalten. Das Thema ist zweifelsohne unangenehm und passt mal so garnicht zu der romantischen Vorstellung einfach sorglos durch die Welt zu tingeln. Lässt man das Thema jedoch zu sehr schleifen, läuft man Gefahr den Überblick zu verlieren und schlimmstenfalls ganz ohne Mittel da zu stehen… Diese Erfahrung ist zwar bestimmt auch sehr interessant, wir wollen uns das aber dennoch ersparen. Im folgenden ein paar Tips und Tricks die wir für gut befunden haben und auch auf unserer Weltreise zum Einsatz kommen.

Wieviel Geld muss ich einplanen?

Ganz einfache Antwort: Genug und noch etwas Puffer oben drauf. Blöde Antwort, ich weiß. Besser kann man die Frage nicht allgemein beantworten. Prinzipiell sollte jeder für sich eine kleine Kalkulation anfertigen und sich selber ein persönliches Budget pro Monat und Land festlegen. Es geht hier nicht darum jeden Euro zu planen, sondern um einen groben Umriss wieviel du ausgeben wirst. Wie schwer dann die Einhaltung dieses Budgets ist, hängt davon wie realistisch man vorher geplant hat. Was sind die großen Blöcke? 

  • Flüge / Anreise
  • Unterkunft
  • Transport / Mietwagen
  • Essen
  • Ausflüge / Aktivitäten / Party
  • Fixkosten / Versicherungen
  • Sonstiges / Kosmetik / Klamotten / Bücher / …
Waage aus Geld und Kartoffel

Aus diesen Punkten kann man sich seinen groben Bedarf abschätzen. Wir haben von anderen Reisenden nun schon alles gehört, ihr persönlicher Bedarf ging  von 5€ pro Tag (also 150€ im Monat) bis hin zu 100€ pro Tag (3000€ pro Monat). Da diese Preisspanne natürlich zu groß ist, um die eigene Planung davon abzuleiten, kommt man nicht drum herum, seinen persönlichen Bedarf zu schätzen. Da wir über die gesamte Reise Buch führen werden, können wir hier im Nachgang einen Erfahrungsbericht aus erster Hand einstellen, wieviel wir nun tatsächlich gebraucht haben.

In folgender Aufstellung möchte ich anhand einer sehr vereinfachten Kalkulation zeigen, wie groß die Preisspanne werden kann, wenn man bei Unterkunft, Essen und Sonstigem die nächsthöhere Kategorie wählt. Auch der Unterschied zwischen alleine reisen oder als Paar ist durch die geteilte Unterkunft bemerkenswert. (Achtung, hier sind weder Fixkosten noch Flüge enthalten)

Kalkulationsliste
Beispiel Backpacking (ohne Flüge)

Einkommen und Erspartes...

Natürlich muss ich im nächsten Schritt checken, ob der errechnete Finanzbedarf auch zu bewältigen ist. Falls nicht, kann man sofort die Bedarfs-Kalkulation von hinten aufrollen und sie benutzen um zu checken wo noch Einsparpotential vorhanden ist. Im Worst-Case muss man entweder seine Ansprüche runter schrauben, oder die Länge der Reise anpassen oder sich gar ein günstigeres Land aussuchen, denn 6 Monate Indien sind natürlich günstiger als 6 Monate Japan. Möchte ich aber meine Traumreise nicht abändern dann kann ich auch versuchen mein verfügbares Budget zu erhöhen. 

Welche Möglichkeiten habe ich überhaupt meine Reise zu finanzieren?

  • Vom Ersparten leben
  • Sabbatical Vereinbarung mit dem Arbeitgeber
  • Wohnung zu Hause untervermieten so lange man weg ist
  • Ortsunabhängige Jobs –> Freelancer-Portale
  • Physisch arbeiten während der Reise –> Work&Travel, Wwoofing
  • Online-Business –> Online-Shop, Affiliate-Marketing, …
  • Passives Einkommen durch Geldanlage –> Aktien, ETFs, Anleihen, Peer2Peer-Kredite
Es werden meist mehrere Punkte aus dieser Liste benötigt um eine Langzeitreise zu finanzieren. Bei uns ist derzeit nur der erste und der letzte Punkt zutreffend und sollte für unseren Bedarf auch reichen. In ein paar Monaten wissen wir mehr 🙂 Als Tip zum Schluss: Halte dir ca. 20% des Reisebudgets als Puffer bereit. Man weiß nie was passiert und ständig an der „Kante“ zu planen setzt dich unnötig unter Druck. Man muss auch mal ungeplant über die Stränge schlagen dürfen ohne dass dabei das Finanzkartenhaus einstürzt.
 

Fixkosten reduzieren!

Dieser Punkt ist in zweierlei Hinsicht wichtig. Zum Einen kann man bereits während der Sparphase mit reduzierten Fixkosten gute Ergebnisse erzielen und später während der Reise sogar noch mehr. Eigentlich ist diese Geschichte nicht aufs Reisen beschränkt, sondern sollte von jedem angewandt werden. Alles kein Hexenwerk, einfach alle regelmäßigen Ausgaben niederschreiben und hinterfragen. Wenn alles erstmal auf dem Papier steht, sind viele Leute erstmal geschockt was sich hier alles zusammen addiert. Haftpflichtversicherung, Krankenzusatzversicherung, Rechtsschutzversicherung, Unfallversicherung, Risiko-Lebensversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, Brillenversicherung, Hausratsversicherung, Handyversicherung, , Miete, Strom, Heizung, DSL, Handyvertrag, GEZ, Netflix, Amazon Prime, Sky, Cloud Services, Fitnessstudio, Premium-Irgendwas-Mitgliedschaften, Kfz-Versicherung, Kfz Steuer, Kfz-Versicherung Zweitwagen, Kfz Steuer Zweitwagen, Zeitungsabos und und und…

Wenn man alle diese vertraglichen Verpflichtungen hinterfragt, ob man sie ‚A‘, überhaupt noch benötigt oder ‚B‘, bei anderen Anbietern erheblich günstiger bekommt, kann man wirklich eine Menge Geld sparen. Es sammelt sich im Laufe der Zeit zwangsläufig die eine oder andere Altlast an, welche man seit Ewigkeiten nicht mehr hinterfragt hat. Die Redensart mit dem Kleinvieh, sollte man verdammt ernst nehmen. Angenommen du nimmst deinen Uralt-Handyvertrag für 60€ und schließt stattdessen einen für 20€ ab. Ersparnis pro Monat 40€. –> 480€ pro Jahr –> mit mäßigen Risiko in Aktien angelegt nach 5 Jahren –> 2700€ –> nach weiteren 5 Jahren 6200€ … WEGEN EINES HANDYVERTRAG-WECHSELS! Allein mit dieser Einsparung kann man in einem günstigen Land ein halbes Jahr auf Reisen gehen. Man sieht, das Potential ist riesig! Nimmt man dann noch ein wenig Rücksicht auf seinen Konsum, geht das Sparen für die große Reise von ganz alleine.

Trinkgeldglas

Noch ein Tipp für die Zeit während der Reise. Es versteht sich von selbst, dass man während man unterwegs ist, noch den einen oder anderen Kostenpunkt einsparen kann. Letztlich muss man je nach Länge der Reise alle Punkte von der Liste nochmal neu bewerten und eventuell einige Verträge kündigen oder ruhend stellen. Ein hilfreicher Trick kann dir hier einen wirklichen Vorteil bringen. Unter gewissen Voraussetzungen kann (oder besser muss) man sich aus Deutschland abmelden. (OK, einigen wir uns auf „kann man“). Dieses Thema ist ziemlich komplex und hat sowohl einige Vor- , also auch Nachteile. Ein sehr großer Vorteil ist auf jeden Fall, dass man sich mit einer Abmeldebestätigung aus Deutschland aus sehr vielen Verträgen ein Sonderkündigungsrecht erwirken kann. Hat man es also versäumt, seinen überteuerten Premium-Kabelvertrag zu kündigen, kann man sich auf diese Art und Weise doch noch herauswinden. 

Tips zum sicheren Umgang mit Geld auf der Reise

Sooo… Der Bedarf ist berechnet … Die Finanzierung ist gesichert… Was kann jetzt noch schief gehen? Solange man sich während der Reise an ein paar Grundregeln hält, nicht mehr sehr viel:

  • Lege dir einen Notgroschen in Cash an und verteile diesen in deinem Gepäck. Falls dir dein Geldbeutel geklaut wird oder Teile deines Gepäcks, muss man ja trotzdem noch handlungsfähig bleiben. Zumindest der Transport in die nächstgrößere Stadt, ein paar Ferngespräche und ein paar Übernachtungen sollten damit abgedeckt sein. Es gibt auch Geld-Gürtel unter dem T-Shirt oder  andere Verstecke in der Kleidung welche im Falle des Falles zusätzliche Sicherheit bieten.
  • Für den Notfall sollte eine Kontaktperson aus Freundeskreis oder Familie ausgewählt werden, die dir helfen kann, wenn du doch mal alles verlieren solltest. Legt euch einen Plan zurecht, wie ihr am besten Geld transferieren könnt. (z.B. Postbank Direkttransfer, Kreditkarte zusenden lassen, etc) Eventuell sollte diese Person auch eine Vollmacht haben. 
  • Besorge dir zwei verschieden Kreditkarten von verschiedenen Banken. Sollte eine gesperrt oder geklaut werden, hat man noch Ersatz. Am besten wäre hier auch ein Mix aus VISA und Mastercard, da nicht alle Automaten, jede Karte annehmen. (Tip für gute Reisekreditkarte ohne Abhebungsgebühr weltweit: DKB)
  • Halte für deine Kreditkarten die nötigen Service-Nummern bereit und speichere die nötigen Infos um sie im Notfall sofort sperren zu können. Meist zählt jede Stunde nach dem Verlust um größeren Schaden zu vermeiden.
  • Setze bei deinen Kreditkarten ein geringes Tageslimit, damit hält sich der Schaden im Falle von Missbrauch der Karte in Grenzen. Aber Vorsicht: Bei mindestens einer Karte musst du dass Limit via Fernzugriff erhöhen können, denn bei einem Krankenhausaufenthalt außerhalb der EU müssen alle Kosten vorerst selbst bezahlt werden, bevor du eine Rückerstattung von der Auslands-Krankenversicherung bekommst. Mit einem zu kleinem Kreditkarten-Limit kommst du hier schnell in Zahlungsnot.
  • Führe in zwielichtigen Gegenden ein Fake- Portmonee mit dir, mit einem kleinerem oder mittleren Geldbetrag und ein paar abgelaufenen Karten. Sollte man wirklich ausgeraubt werden, hat man etwas zum abgeben und verliert nicht alle Dokumente. ABER im Zweifel: Lieber alles hergeben als sein Leben aufs Spiel zu setzen!
  • Beim Bewegen in größeren Menschenmengen, große Vorsicht beim Thema Taschendiebe walten lassen. Eventuell auch Rucksack abschließen, auch wenn es nervig ist. 
  • Verwende RFID-auslese-sichere Schutzhüllen für deine Kreditkarten oder direkt einen geschützten Geldbeutel. Diebe können heutzutage mit Lesegeräten euer Geld stehlen während ihr die Karte noch in der Hosentasche habt.
Letzter Tipp: Selbst wenn du immer alle Sicherheitstips befolgst und dein Geld ständig vor Dieben geschützt ist. Die größte Gefahr für dein Geld ist nach wie vor: The man in the mirror! Die beste Vorbereitung und Kalkulation bringt dir absolut NICHTS, wenn du deinen Plan nicht einhältst. Es ist absolut zwingend eine kleine Reise-Buchführung zu machen, um zu checken ob du noch auf Kurs bist. Solltest du zu weit abweichen, heißt es: Planung anpassen, Ausgaben runter oder Einkommen rauf. Ja ich weiß, ist logisch, aber auf Reise Pleite zu gehen ist leider nicht ganz abwegig. Es gibt einfach zu viele Verlockungen und man muss den Überblick behalten. Wir verwenden dafür die App „Travelspend“ weil wir hier von mehreren Geräten aus, die Daten eintragen können und die App macht eine Auswertung und erstellt eine Übersicht für dich.

In diesem Sinne, Viel Glück mit eurer Reisekasse. Und nicht vergessen:  „SAFE MONEY AND MONEY WILL SAFE YOU!“

Schreibe einen Kommentar