Feuerland - Am Ende der Welt

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Unsere Reise führt uns weiter nach Süden, genauer gesagt zur südlichsten Stadt der Welt: Ushuaia!

Ankunft in der südlichsten Stadt der Welt - Ushuaia

Und plötzlich war es kalt! Nachdem wir über einen Monat mit Hitze und Sonnenbrand zu kämpfen hatten, entfernen wir uns nun etwas weiter vom Äquator. Sehr weit, um genau zu sein. Wir haben als neue Homebase die südlichste Stadt der Welt gewählt, von hier gibt es einige Abenteuer zu bestreiten und endlich können wir unsere warme Kleidung anziehen, welche wir schon seit Januar sinnlos mit uns rumschleppen. Die Stadt liegt abgetrennt vom restlichen Argentinien in der Provinz „Tierra del Fuego“ (Feuerland) auf der Insel „Isla Grande de Tierra del Fuego“. Die Zeit wurde auch langsam knapp, denn Mitte März kündigt sich auf der Südhalbkugel langsam der Winter an und es kann so nahe am Südpol wirklich sehr kalt werden. Also haben wir einen Billigflug gebucht und sind von der Hauptstadt Buenos Aires ab nach Süden geflogen. 

Angekommen in Ushuaia kann man als erstes den Flughafen bestaunen der komplett aus Holz gebaut ist. So kommt gleich die richtige Stimmung auf, für die folgende Zeit, welche uns weiter in die Natur bringen wird, als bisher. Die Stadt am „Ende der Welt“ sieht um einiges kleiner aus als sie in Wirklichkeit ist. Obwohl hier mehr als 50.000 Argentinier leben, sieht man hauptsächlich kleine Gebäude oder auch nur hüttenähnliche Häuser, was zwar etwas befremdlich aussieht, jedoch einen ganz besonderen Charme versprüht. Im Zentrum gibt es einen Outdoor-Laden nach dem Anderen und ansonsten noch viele Restaurants für die Touristen. Es herrscht hier viel touristischer Durchgangsverkehr, speziell durch die vielen Kreuzfahrtschiffe die von Ushuaia aus Richtung Antarktis starten. Einkaufen kann hier übrigens auch ganz interessant sein, denn der ganze Ort ist von der Steuer befreit, um den kalten Ort für Anwohner attraktiver zu machen. Die argentinische Regierung versucht mit mehr Einwohnern den „Prestige-Ort“ Ushuaia als südlichste Stadt der Welt zu festigen. Anscheinend gibt es einen lang gehegten Streit mit Chile, die mit ihrem „Puerto Williams“ auch den Titel „südlichste Stadt der Welt“ beanspruchen, jedoch gilt ein Ort mit 2300 Einwohnern im chilenischen Recht nicht als Stadt, sondern lediglich als Dorf. Was uns angeht: „Wen interessierts?“ 🙂 

Da sich in Ushuaia in einigen Punkten sehr vom Rest der Welt unterscheidet, mussten wir mit dem Taxi in die Stadt fahren, den dies war der einzige Weg von dort weg zu gelangen, Uber funktioniert hier leider nicht. Die paar Kilometer vom Zentrum zu unserer Wohnung am Stadtrand haben wir dann zu Fuß hinter uns gebracht, das sieht mit komplettem Gepäck zwar immer etwas nach Lastesel aus, war aber perfekt zur Vorbereitung für die kommenden Tage. Unsere Airbnb Wohnung war einfach und zweckmäßig, aber für uns ausreichend. Das größte Problem war jedoch, das unser kleiner Gasofen nicht sauber verbrannt hat und deswegen alles nach Gas gestunken hat –> Safety Third! Aber wir haben mit offenen Fenster alles unbeschadet überstanden. Hier sollte man vielleicht etwas mehr Geld ausgeben als 16€ die Nacht für eine ganze Wohnung 🙂 Anderseits konnten wir nach unseren Wandertouren ohnehin überall schlafen, egal wie unbequem es gewesen wäre. 

Wandern im Nationalpark

Der Nationalpark Tierra del Fuego ist eine echte Sehenswürdigkeit des Landes und ist etwas 18 km von Ushuaia entfernt. Mit einer Fläche von 630 km^2 ist es natürlich nicht möglich den ganzen Park zu erkunden, jedoch gibt es im südlichen Teil viele ausgeschilderte Wanderwege welche perfekt für etwas ambitionierte Anfänger wie uns geeignet sind. Wie so oft, werden hier auch etliche Touren von Tourismus-Büros und Hotels angeboten, jedoch sind diese nicht notwendig und unnötig teuer. Man kann sich auch hier problemlos auf eigene Faust ins Abenteuer stürzen. Es gibt einige Kleinbusunternehmer welche vom Busterminal Ushuaia aus Fahrten in den Park anbieten. Es ist zwar alles etwas verwirrend, aber man kann eigentlich nicht viel falsch machen. Irgendwann wird man vom Busfahrer aufgefordert in eine kleine Waldhütte zu gehen um den Eintritt für den Park zu bezahlen und schon geht die Reise weiter. Man bekommt auch eine Landkarte mit den einzelnen Wanderwegen mit der man sich in Kombination mit dem GPS im Handy gut zurecht findet. 

Der Wanderwege selbst sind wirklich toll. Anfangs befindet man sich noch auf sehr gut ausgetretenen Pfaden, denn den ersten Kilometer gehen oft auch noch die Touristen die nur kurz mit dem Reisebus halt machen. Hat man diese ersten Meter erst hinter sich, ist man ziemlich für sich alleine und man muss die gelb markierten Stöcke schon gut im Auge behalten um auf dem rechten Weg zu bleiben. Es gibt Mini-Kletterpartien und auch moorartige Passagen wo man nur von Wurzel zu Wurzel steigen kann, also alles was man sich von einem Wanderweg am Ende der Welt wünscht.  Wir sind bei unserem Besuch ca. 20 km durch den Wald entlang der Küste gegangen und das hat uns letztlich auch mehr als gereicht. Für uns war der Tag in dem Nationalpark einer der schönsten (und anstrengendsten) unserer Reise. Hier findest du noch ein paar Impressionen, auch wenn man die Stimmung dort unmöglich in Fotos auffangen kann. 

Pinguine im Beagle Kanal

Nachdem wir uns im Nationalpark verausgabt hatten, wollten wir uns am Tag darauf etwas Erholung gönnen und sind mit einem Boot durch den Beagle Kanal gefahren. Wir hatten uns online einen Anbieter ausgesucht, was aber im Nachhinein nicht die beste Idee war. Es gibt ca. 20 kleine Holzhütten mit Anbietern direkt am Hafen, welche genau die gleiche Tour anbieten und meist auch noch etwas günstiger. Es hat sich herausgestellt, dass unser Onlineanbieter auch nur einen Voucher für einen dieser Anbieter am Hafen verkauft hat. Also warum unnötig kompliziert? Aber egal, nachdem wir über 2 Ecken unsere Tickets bekommen haben, lief der Rest des Trips wieder nach Plan. Eigentliches Ziel der Reise war die Pinguin-Insel „Isla Martillo“, wobei auch hier gilt: auch der Weg ist das Ziel, der führt nämlich entlang des Beagle Kanals vorbei an einigen Inseln und wirklich imposanten Gebirgsformationen außerhalb der menschlichen Zivilisation.

Es gibt 3 Inseln welche wirklich erwähnenswert sind. Es gibt zum einen die „Vogel-Insel“ welche besetzt ist mit tausenden Kormoranen und anderen Vögeln. Auf den ersten Blick könnte man diese Kormorane direkt mit Pinguinen verwechseln. Zumindest solange sie nicht plötzlich wegfliegen 🙂 Die nächste Insel die wir angesteuert haben ist die „Seelöwen-Insel“, und dort gibt es …. na? …. Richtig! –> wieder tausende Kormorane… aber diesmal zusätzlich einige Dutzend Seelöwen! Die Tiere sind wirklich beeindruckend anzuschauen, auch wenn sie extrem laut sind und noch extremer stinken!! Nach der Seelöwen-Insel gehts weiter zu der Insel mit dem südlichsten Leuchturm der Welt, hat uns jetzt nicht umgehauen, aber OK. Anscheinend war es absolute Pflicht dort ein Selfie zu machen (zumindest hat es so gewirkt) und daher gibt es jetzt auch eins von uns zwei 🙂

Als Highlight kam dann zum Schluss die lang ersehnte Pinguin-Insel „Isla Martillo“ und wir waren überrascht wie viele Pinguine wir am dortigen Strand sehen konnten. Man hätte auch Touren buchen können, welche dich direkt auf der Insel absetzen. Diese Touren hätten aber ein vielfaches gekostet und hätten die Ruhe der Tiere noch mehr gestört als wir es von unserem Katamaran aus gemacht haben. Außerdem hatten wir vom Wasser aus eine tolle Aussicht auf den Strand. Es gab sowohl Magellan-Pinguine als auch Königspinguine zu sehen. Es war wirklich etwas ganz Besonderes diese niedlichen Zeitgenossen in freier Wildbahn zu sehen. Wer wie wir mal an diesem Ende der Welt ist, sollte diese Tour unbedingt auf die ToDo-Liste setzen.

Wanderung zum Martial Gletscher

Wenn man in Ushuaia zwischen zwei Häusern nach Norden schaut, sieht man praktisch zwangsläufig die Martial Mountains mit dem großen Martial Gletscher. Also, Sachen gepackt und von der Stadt aus auf den Weg gemacht. Es gibt hier auch wieder Touren-Anbieter die dir den halben Weg abnehmen und Reisebusse über die Serpentinen nach oben schickt. Aber natürlich haben wir uns wieder auf eigene Faust auf den Weg gemacht und haben die ersten 7km bergauf aus eigener Kraft bewältigt. Man muss sich auf der Strecke nach oben noch nicht einmal die Strecke mit den Bussen teilen, es gibt nämlich auf großen Teilen eine eigene Wanderstrecke. Kommt man oben an der Busstation an, geht der Anstieg erst richtig los, und es wird erstmal richtig steil. Man kommt sich vor wie der größte Idiot wenn man plötzlich von 2/3 der Leute abgehängt wird, bis man sich erinnert dass wir ja bereits 7km und 300 Höhenmetern hinter uns haben und alle Anderen gerade aus dem Bus gestiegen sind 🙂 EGAL! Wir haben unseren Aufstieg bis auf ca. 650m noch fertig gemacht bis uns letztlich der Regen und die sich überschlagenden Corona-Nachrichten für Argentinien und Chile die Stimmung verhagelt haben. Ganz nach oben (ca. 800m) haben wir ausgelassen. Nichts desto trotz war diese Wanderung wieder extrem toll. 

Eigentlich waren diese Touren als Vorbereitungstouren für den 5 Tages-Track im Torres del Paine Nationalpark gedacht, leider war dieser Tag der letzte „in Freiheit“ für uns, bevor die Ausgangssperre uns ins Hotelzimmer gefesselt hat. Und wenn sie nicht verhungert sind, dann sind sie da noch heute… 🙂

Bueno, hasta luego, chicos!

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