Buenos Aires - die Stadt der Gegensätze und des Tangos

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Auf dem Weg Richtung Süden, fanden wir unseren bisherigen Liebling unter den lateinamerikanischen Städten – Buenos Aires

und... die nächste Busfahrt

Von den Iguazu-Wasserfällen gings weiter in die Hauptstadt Argentiniens —> Buenos Aires. Wir haben wieder einen Overnight-Bus mit 19 Stunden Fahrzeit genommen, hier gab es während der Fahrt sogar ein (zumindest teilweise leckeres) Abendessen sowie Frühstück. Einigermaßen ausgeruht sind wir dann in einem der beiden größten Busterminals von Buenos Aires angekommen, wobei hier wieder der Vergleich mit einem Flughafen wohl treffender gewesen wäre. Mit Uber gings dann quer durch die Stadt in unsere AirBnB-Wohnung in den Stadtteil Palermo.

Für dieses aufstrebende Viertel mit unzähligen Restaurants und Bars, das überwiegend von jungen Leuten bewohnt wird,  haben wir uns bewusst entschieden, da durch das geschäftige Treiben, die Straßen im Vergleich zu anderen Bereichen der Stadt auch Nachts sehr sicher sind. Palermo kann aber auch am Tage überzeugen. Mit liebevoll dekorierten Cafés und kleinen Geschäften, aber auch mit seinen kleinen und großen Parkanlagen, die manchmal wie aus dem Nichts auftauchen.

Unsere Wohnung befindet sich im 5. Stock eines Mietshauses mit winzigem Pool auf dem Dach und war nach den Unterkünften der letzten Wochen ein wahrer Schatz.

Free Walking Tour und Sehenswürdigkeiten

Für einen besseren Überblick über die Stadt und ihre Geschichte haben wir zu Beginn unseres Aufenthalts an einer Free Walking Tour teilgenommen. Das sind kostenlose Stadtführungen, die sich allein durch Trinkgelder am Ende der Tour finanzieren. Die Highlights der Stadtführungen waren unter anderem der Regierungssitz, das seit 1858 bestehende Café Tortoni und die frühere Kathedrale des aktuellen Papstes Franziskus.

Nach dieser kleinen Einführung haben wir die weiteren Sehenswürdigkeiten sowie generell die Stadt auf eigene Faust erkundet.

Floralis Generica und Museo Nacional de bellas Artes

Die Floralis Generica ist ein ist eine in 2002 installierte Skulptur in Blumenoptik. Die 23 Meter hohe Konstruktion aus Stahl und Aluminium ist mit einer Zeitschaltuhr versehen, die der Natur nachempfunden, die Blüte morgens öffnet und abends schließt. Ausnahmen bilden hier nur besondere Feiertage, an denen die Blüte überhaupt nicht geschlossen wird. Sie befindet sich im Stadtteil Recoleta, unweit des Kunstmuseums. Trotz unseres relativ langen Aufenthalts in Buenos Aires haben wir es leider nicht ins „Nationalmuseum der schönen Künste geschafft. Wir wollten uns dies für die letzten paar Tage aufheben, da der Wetterbericht hier Regen vorhergesagt hat und hey, Indoor-Aktivitäten sind doch an Regentagen am schönsten. Allerdings war das Museum dann spontan aufgrund „höherer Gewalt“ mehrere Tage in Folge geschlossen. Was der genaue Grund war, konnten wir leider nicht rausfinden.

Das Museum ist im Vergleich zu europäischen Museen sehr günstig mit 200 Pesos pro Person (ca. 3 Euro) bzw. dienstags freier Eintritt. Trotz der sehr geringen Eintrittspreise, sind hier sehr bekannte Künstler zu finden wie z. B. Rembrandt, Picasso, van Gogh und Rubens.

Friedhof La Recoleta und der Mythos Evita

Mag makaber klingen, aber der Friedhof La Recoleta ist eine der Top-Sehenswürdigkeiten in Buenos Aires. Dieser Friedhof war zunächst ein Klostergarten und wurde 1821 zum ersten öffentlichen Friedhof der Stadt umfunktioniert. Nach einer neoklassizistischen Umgestaltung in den 1880iger Jahren, wurde es ein „Friedhof der reichen Leute“. Die künstlerisch gestalteten Mausoleen sind definitiv sehenswert! Aktuell befinden hier sich ungefähr 4.800 Grabstätten. Beim überwiegenden Anteil der bestatteten Personen handelt es sich um Künstler, Profisportler, Wissenschaftler sowie ehemalige Präsidenten samt Ehepartner. Bei der wohl berühmtesten Toten dieses Friedhofes handelt es sich um die Ehefrau von Juan Peron eines ehemaligen Präsidenten Argentiniens, Maria Eva Duarte de Peron, besser bekannt als Evita.

Das ehemalige Model und Schauspielerin wurde als First-Lady Argentiniens weltberühmt und wird aufgrund ihres Engagements in den sozialen Bereichen, insbesondere ihrer Wohltätigkeitsprogramme für die argentinische Unterschicht auch heute noch von vielen sehr verehrt. Die Kehrseite der Medaille ist, allerdings die Finanzierungsstruktur dieser Programme. Evitas Wohltätigkeitsstiftung wurde durch Spendengelder finanziert, welche teilweise unrechtmäßig erworben wurden. Nichts desto trotz ist die 1952 mit nur 33 Jahren verstorbene Evita wohl eine der berühmtesten und meist geliebten Personen in der Geschichte Argentiniens, was sich an den zahlreichen Statuten und Wandgemälden in Buenos Aires, die ihr gewidmet sind, erkennen lässt.

Grabstätte Eva Perón - Evita

La Boca – La Bombonera – El Caminito

La Boca entstand aus einem Viertel italienischer Einwanderer und gehörte längere Zeit zu den ärmsten Stadtvierteln. Dies hat sich zwischenzeitlich geändert. Unter anderem dadurch, dass hier das Fußballstadion der Boca Juniors steht. Einer der bekanntesten ehemaligen Spieler dieses Vereins ist Diego Maradona. Aufgrund seiner strahlenden blau-gelben Farbe wird das Fußballstadion La Bombonera (Pralinenschachtel) genannt. Unweit des Stadions befindet sich die berühmte Straße „El Caminito“. El Caminito ist bekannt durch seine farbenprächtigen Gebäude. Bis in die späten 50iger Jahre war die Caminito der Schandfleck des Stadtviertels, bis ein regionaler Künstler mit Eimer und Farbe bewaffnet die ganzen Häuser dieser Straße bunt angestrichen hat. Heute finden sich hier sowohl viele Touristen, als auch Einheimische und es finden regelmäßige Auftritte von lokalen (Rock-)Bands statt. Bei einem Besuch von Buenos Aires, darf dieses Viertel auf keinen Fall ausgelassen werden!

Casa Rosada und Plaza de Mayo

Im Stadtteil Montserrat befindet sich der Amtssitz des Präsidenten genannt Casa Rosada (Rosa Haus), was seinem seit über 150 Jahren gleichgebliebenen rosafarbigen Anstrich geschuldet ist. Warum das Gebäude seinerzeit rosa gestrichen wurde, ist heute nicht mehr bekannt, allerdings wird vermutet, dass sich die Farbe durch eine damals sehr gängige Mischung aus Kalk und Ochsenblut ergeben, die wegen seiner wasserabweisenden Eigenschaft sehr beliebt war.

Das Casa Rosada befindet sich an der östlichen Seite des Plaza des Mayo (Platz der Mairevolution). Der Plaza de Mayo ist auch heute noch Mittelpunkt von Protesten sowie des wöchentlichen Schweigemarsches der Menschenrechtsorganisation „Madres de Plaza de Mayo“. Dieser Schweigemarsch findet bereits seit den 1970iger Jahren statt. Während der damaligen Militärdiktatur sind viele Regimegegner inhaftiert, gefoltert und ermordet worden. Ca. 30.000 Menschen sind verschwunden und ihr verbleib ist bis heute unklar. Oftmals wurden Kinder der Inhaftierten an kinderlose Militärmitglieder übergeben und wissen bis heute nicht um ihre wirkliche Herkunft. Da viele Familien keinerlei Auskünfte über den Verbleib ihrer verschwundenen Familienmitglieder erhalten haben, haben sich die sogenannten Mütter des Plaza de Mayo ab 1977 regelmäßig zum stillen Protest getroffen. Da seinerzeit Demonstrationen oder allgemein größere Ansammlungen von mehr als 3 Personen illegal waren, haben die Mütter in Dreiergruppen Spaziergänge um das Denkmal in der Mitte des Platzes gemacht. Als Erkennungszeichen trugen alle weiße Kopftücher. Abbildungen dieser weißen Kopftücher zieren mittlerweile den Boden am Protestort.

Parkanlagen - Rosengarten - Tango

Buenos Aires ist im Allgemeinen sehr grün gehalten, ein hoher Anteil der Straßen wird von Bäumen gesäumt und es finden sich sehr viele große und kleine Parks im ganzen Stadtgebiet.

Einer der größten Parks Buenos Aires ist der Bosques de Palermo. Hier gibt es einen kleinen See mit Bootsverleih und einen angrenzenden Rosengarten mit fast 20.000 Rosensträuchern. In den Parkanlagen findet immer ein reges Treiben statt mit Fitness-/Yogagruppen, zahlreiche Hundesitter lassen ihre „Kunden“ von der Leine und es finden sich auch gerne Rudel mit 10 und mehr Hunden zusammen. Wir hatten das Glück, dass fußläufig unserer Wohnung ein Park war, in der unter einem Pavillon regelmäßig Tangoveranstaltungen stattfinden. Da die professionellen Tangoshows oft vorab gebucht werden müssen und auch entsprechend viel kosten, sind diese Freiluftveranstaltungen eine tolle Alternative. Bevor der eigentliche Tanz los geht, besteht teilweise die Möglichkeit im Vorhinein einen kleinen Crashkurs zu besuchen, der allerdings nur auf spanisch stattfindet. Im Anschluss daran, kommen hier jung und alt zusammen und tanzen nebeneinander ihren Tango. HIER können die Termine und Veranstaltungsorte eingesehen werden.

Zu Fuß durch Buenos Aires

Zur kleinen Vorbereitung auf die demnächst anstehenden mehrtägigen Wandertouren haben wir Buenos Aires zu Fuß erkundet und könne daher nicht viel zu den öffentlichen Verkehrsmitteln sagen.  Wir möchten lediglich darauf hinweisen, dass anscheinend Uber in Buenos Aires aufgrund des hohen Einflusses der Taxi-Unternehmen derzeit nicht legal ist. Es wird aber trotzdem angeboten und wir haben dies auch bei Regen bzw. bei An- und Abreise in Anspruch genommen.

Wenn man nicht wie wir bis zu 20-30 km pro Tag laufen will, empfiehlt es sich aber doch ab und an den Bus zu nehmen 😉 Auch wenn wir selbst nicht mit dem Bus unterwegs waren möchten wir euch etwas nicht vorenthalten: Trotz der auch in Buenos Aires vorherrschenden lateinamerikanischen Lockerheit und dem damit teinhergehenden Chaos in sämtlichen Lebenslagen, werden an Bushaltestellen ganz selbstverständlich Schlangen gebildet, ganz nach dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ wird hier ohne Drängeln auf die überfüllten Busse gewartet. Chapeau von uns, so ein Verhalten kennt man eigentlich nur aus Japan.

Wir haben uns von Anfang an etwas in die Stadt verliebt und trotz den fehlenden „weltberühmten“ Sehenswürdigkeiten oder gerade deswegen, wird uns diese Stadt wohl sehr lange in Erinnerung bleiben. Buenos Aires ist eine Mischung aus der lateinamerikanischen Leidenschaft, gepaart mit europäischen Wurzeln. Es ist bunt und auch grau, neu und alt, laut und leise.

Einen Trip nach Buenos Aires können wir daher nur wärmstens empfehlen!

 

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