Was ist mit meinem Job?

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Kann ich mir erlauben einfach so auszusetzen? Was gibt es für Möglichkeiten?

Lego Star Wars am Arbeitsplatz

Ist es nicht unklug eine Lücke im Lebenslauf zu generieren?

Die Frage ist berechtigt und die Antwort hängt auch stark vom Betrachter ab. Hätte man mich vor ein paar Jahren gefragt, hätte ich definitiv davon abgeraten sich eine Auszeit zu gönnen. Damals war ich noch im viel stärker im „Karriere-Modus“, war über die Jahre keinen einzigen Tag krankgemeldet (obwohl es teilweise nötig gewesen wäre) und habe auf der Karriereleiter immer den Blick nach oben gerichtet. Wenn ich ein Jahr weg bin, könnte ich doch die nächste Beförderungsrunde verpassen. Oder soll ich sogar kündigen? Wer stellt mich denn wieder ein? Die Arbeitgeber dieser Welt werden wahrscheinlich andere Ansichten haben und wünschen sich den perfekten Lebenslauf. Muss ich vielleicht einen Schritt zurück machen auf der Karriereleiter, nur wegen dieser Reise?  Ich muss doch mehr Geld verdienen, um ein besseres Leben zu haben…

Und hier kommt die Crux bei der Sache… wie definiert man dieses „bessere Leben“, und wann ist es denn nun endlich soweit? 10 Stunden am Tag zu arbeiten und Abends noch Geschäftsessen oder Haushalts-Aufgaben bevor man nach der schlecht geschlafenen Nacht wieder von vorne anfängt? Das kann doch nicht die Definition davon sein. Aber keine Angst, wenn man genug Ehrgeiz hat und sein Privatleben hinten an stellt, wird man nochmal befördert und aus den 10 Stunden, werden 14. Herzlichen Glückwunsch! 

Spaß bei Seite, es muss jeder selber wissen wie wichtig einem sein berufliches Weiterkommen ist, und bis zu einem gewissen Punkt macht einem das Ganze ja auch Freude. Leider ist die Gefahr groß, irgendwann den Sinn dahinter zu verlieren und nur noch aus den falschen Gründen zu arbeiten. Es geht nicht mehr darum seinen Lebensunterhalt zu verdienen oder einen erfüllten Job zu haben der einem Spaß macht. Es ist plötzlich nie genug, egal wieviel man verdient. Kriegt man mehr Geld, passt man einfach sein Konsum-Verhalten an und bald hat man wieder die selbe Situation wie zuvor, nur dann eben in HD. Es ist praktisch gesellschaftlicher Gruppenzwang, denn so werden wir erzogen, sei es vom Umfeld oder der Werbung. Ob diese Spirale wirklich zu einem glücklicherem Leben führt? Hier muss jeder selbst seine Antwort finden, unsere ist ein hartes „Nein“. 

Der krumme Baum lebt sein Leben, der gerade wird ein Brett

Ich bitte hier natürlich etwas zu differenzieren, der Artikel richtet sich nicht an Geringverdiener, welche alleine die 5-köpfige Familie durchbringen müssen, oder an Leute die sich in ihrem 9to5-Job super wohl fühlen und einfach nur zufrieden sind. Die Leute die sich hier angesprochen fühlen sollten, haben das beim Lesen schon lange bemerkt. Diejenigen, die sich beim Streben nach „Oben“ unbewusst ins Unglück stürzen.

Es gibt ganze Bewegungen, welche sich wieder etwas zurückziehen aus der Konsum-Gesellschaft und ihr Leben unter der Flagge des Minimalismus führen. Bin ich mit 20 Paar Schuhen glücklicher? Habe ich einen echten Vorteil mit einem 7er BMW im Vergleich zum einem 1er? Bin ich mit meinem 350qm Haus ein zufriedenerer Mensch oder ärgere ich mich eher wöchentlich aufs Neue weil ich soviel putzen muss? Was macht mich glücklich und was ist eher Ballast und macht mir mehr Sorgen als Freude. Aber dieses Thema will ich hier nicht noch weiter ausführen, denn dieses Thema verdient einen eigenen Artikel.

Zurück zur eigentlichen Frage: Wie sieht es nun mit der Sinnhaftigkeit einer Langzeitreise aus? Lohnt sich die „Lücke im Lebenslauf“. Die Frage ist, was ist mein Ziel? Will ich mit möglichst viel Geld unterm Arm beerdigt werden? Dann bitte keinesfalls eine Weltreise in Erwägung ziehen! Will ich während meiner Lebenszeit das Maximum an Glück und Zufriedenheit herausholen? Dann KANN eine Reise für mich absolut Sinn machen um mich neu zu ordnen und mir darüber klar zu werden was für mich wirklich zählt. 

Und was sagt nun der Arbeitgeber dazu? Fakt ist, dass die Arbeitswelt gerade ziemlich im Wandel ist. Die berühmte Work-Life-Balance kommt immer mehr als Argument bei der Arbeitsplatz-Auswahl zum tragen und zumindest die größere Firmen reagieren auch darauf. Wenn es auch am Wirtshaus-Stammtisch nicht geglaubt wird, der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ist real. Home-Office, Sabbatical-Programme, verkürzte Arbeitszeiten, alles Maßnahmen Mitarbeiter anzuwerben. Gleichzeitig wächst auch das Verständnis in den Personal-Abteilungen für solche „Exkursionen“ in die Welt, wie wir sie planen. Je nach dem wie kreativ oder eigenverantwortlich man später arbeiten muss, kann eine Weltreise auch zu Gunsten des Bewerbers ausgelegt werden. Ich habe die letzten Jahre einige Leute einstellen dürfen, und die aalglatten Bewerber, ganz ohne Knick im Lebenslauf waren mir immer suspekt. (zugegeben bin ich bei diesem Thema nicht die objektivste Instanz)

Du weißt jetzt was ich früher auf die Frage geantwortet hätte und du weißt nun auch wie ich heute dazu stehe. Was für mich persönlich aber am wichtigsten ist: „Der Geist der zukünftigen Weihnacht!“ … Was würde mein 70-jähriges Ich zu unseren Plänen wohl sagen? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich mir wünschen würde damals „vernünftiger“ gewesen zu sein.

Also nur Mut, wir haben noch nie jemand getroffen der es bereut hat…

Was gibt es für Möglichkeiten?

Hat man seine Entscheidung erst getroffen, stellt sich die Frage mit welchem Konzept man die Zeit überbrückt. Es gibt einige Herangehensweisen und alle haben die gleiche erste Anlaufstelle, nämlich deinen Arbeitgeber. (Selbst wenn du dein eigener bist). Man kommt nicht drum herum, wer eine Auszeit will, muss dies mit seinem Boss besprechen. Es lohnt sich zu fragen, ob eventuell für diese Fälle bereits Programme in der Firma aufgesetzt worden sind, oft gibt es bereits Präzedenzfälle an denen man sich orientieren kann. Ist der Arbeitgeber nicht zum Gespräch bereit, gibt es natürlich auch andere Möglichkeiten. 

Scrabble Buchstaben "Time out, thanks"

Hier die gängigsten Optionen mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen:

 1. Sabbatical-Vereinbarung – Bei diesem Konzept schließt man  mit dem Arbeitgeber einen Vertrag, der eine verminderte Bezahlung über einen gewissen Zeitraum regelt. Während dieser Ansparphase wird ein Teil deines Gehalts einbehalten und in einem Topf gesammelt. Aus diesem Topf wird anschließen dein Gehalt während der Reise weiterbezahlt.

Vorteile: + Finanzierung während Reise gesichert + sicherer Hafen bei Rückkehr + Versicherungen laufen weiter + Firmenzugehörigkeit läuft weiter + Steuerliche Vorteile

Nachteile: – Muss jahrelang vorher geplant werden – Firma muss zustimmen – Dauer der Reise ist fixiert 

2. Unbezahlter Urlaub – Der Name ist selbsterklärend. Hat man mit seinem Arbeitgeber ein gutes Verhältnis und möchte im Anschluss an die Weltreise wieder zurück kommen. Kann man einfach Urlaub nehmen.

Vorteile: + Keine langfristige Planung nötig + sicherer Hafen bei Rückkehr + Firmenzugehörigkeit läuft weiter 

Nachteile: – Man verbraucht sein Erspartes – Firma muss zustimmen – Dauer der Reise ist fixiert – nach 4 Wochen muss man sich selbst versichern

3. Kündigen – So long, Suckers! Es ist natürlich auch eine Möglichkeit einfach zu kündigen. Dies ist immer die letzte Instanz falls dein Anliegen komplett auf taube Ohren stößt. Auch diese Variante kann für dich die richtige sein. Speziell wenn du einen kompletten Neuanfang suchst ist dies ein klarer Schnitt.

Vorteile: + Keine langfristige Planung nötig + Firma muss nicht zustimmen + Reisen ohne fixes Rückkehrdatum

Nachteile: – Man verbraucht sein Erspartes – Unsicherheit bei Rückkehr – Sozialversicherung muss selbst bezahlt werden

4. Teilzeit Arbeit im Remote Desktop – Diese Option ist an letzter Stelle, da sie nur bei sehr wenigen Berufsfeldern möglich ist. Bist du beispielsweise Programmierer oder hast einen anderen Job den du ausschließlich Online ausführen kannst, dann kannst du versuchen deinem Boss, dieses Konzept schmackhaft zu machen. Einen Versuch ist es wert. 

Vorteile: + Keine langfristige Planung nötig + Finanzierung der Reise ist gesichert + sicherer Hafen bei Rückkehr + Firmenzugehörigkeit läuft weiter + Versicherung läuft weiter 

Nachteile:  – Firma muss zustimmen – Es muss relativ viel Zeit auf der Reise mit Arbeiten verbracht werden.

Muss ich mich Arbeitslos melden?

Regel #1: Müssen tust du garnichts! Auch nicht zum Arbeitsamt zu gehen. Jedoch ist zumindest nach einer Kündigung  der Weg zum Amt ganz sinnvoll. Nicht falsch verstehen, du kriegst natürlich keine Leistungen solange du auf Reisen bist, denn du stehst ja „dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung“ wie es so schon heißt. Trotzdem macht es Sinn sich beim Amt arbeitslos zu melden und im gleichem Atemzug zu sagen, dass man keine Leistungen beziehen will. Hintergrund ist folgender: Um Arbeitslosengeld zu bekommen muss man mindestens 12 der letzten 24 Monate gearbeitet haben. Bist du nun 13 Monate auf Reisen und kommst nach Hause bekommst du im Ernstfall kein ALG1 sondern nur ALG2 (Harz4). Meldest du dich hingegen direkt vor der Reise beim Amt, so bleibt dein Anspruch 4 Jahre lang erhalten. 

Zwar findest du bestimmt schnell wieder einen Job, aber es schadet auf keinen Fall.

LEGO Stormtrooper verkehrt im Glied

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