Unsere Art zu reisen

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Es gibt 1000 Arten zu Reisen, im Folgenden werde ich versuchen dir unsere Art näher zu bringen.

more than one way Schriftzug auf Tafel

Was gibt es überhaupt für Möglichkeiten?

Was macht eine Reise überhaupt aus? Es gibt viele Dinge, die man in der eigenen Hand hat und die über Top oder Flop einer Weltreise entscheiden können. Wie gestalte ich Transport und Unterkunft? Wie viel Geld will ich ausgeben? Von der 5-Sterne-all-inclusive Kreuzfahrt bis hin zum Trampen mit Zelt ist praktisch alles möglich. Wie viele Länder besuche ich in welcher Zeit? Wie detailliert ist meine Reiseplanung? Hier gibt es definitiv kein Richtig oder Falsch, es gibt für jeden Einzelnen einen individuellen „besten“ Weg. Dieser beste Weg muss jedoch nicht der Offensichtliche sein. Es ist ein Balance-Akt, sowohl zwischen Luxus und Geiz, als auch zwischen Organisation und Freiheit. Ich will versuchen dir hier unsere Art zu Reisen darzustellen und eventuell auch ein paar Denkanstöße für deine eigene Reise dazu zu packen.

Wieviel Geld willst du ausgeben?

Man möchte meinen diese Frage hängt nur davon ab, wieviel du dir leisten kannst. Es ist aber ein bisschen komplizierter. Gibst du beispielsweise zuviel Geld aus und machst gar keine Abstriche zu deinem Alltag oder bist sogar noch verschwenderischer unterwegs als zu Hause, bleibt dir ein wichtiger Teil deiner Reise verwehrt. Du kannst hinterher erzählen, dass alle Sterne-Hotels weltweit weitestgehend gleich aussehen, hast aber Land und Leute nicht kennengelernt. Auf einer Luxusreise wirst du deine Komfortzone nicht verlassen und nicht an neuen Erfahrungen wachsen, sondern du wirst lediglich deine Komfortzone tragbar machen. Man sollte nicht Reisen mit Urlaub machen verwechseln, denn dies sind zwei sehr unterschiedliche Begriffe! Also ruhig mal etwas Bescheidenheit zeigen, auch wenn man es sich leisten könnte.

Kunstwerk Mann mit Lupe schaut auf Geldschein

Gibst du anderseits überhaupt kein Geld aus, so kann eine Reise auch schnell zum echten Kraftakt werden. Ständig nur zu Zelten und sich über Monate überhaupt nichts zu gönnen, wird früher oder später wahrscheinlich in Frust enden. Falls man nichts gespart hat und man aufgrund des mageren Kontostands keine andere Wahl hat, ist es eine Überlegung wert, lieber zwischendurch zu jobben und dafür die restliche Zeit angemessen zu genießen. Es gibt viele Möglichkeiten wie Work and Travel oder man kann sich im Netz eine Stelle als Freelancer suchen. Was hingegen gar nicht geht, ist das Betteln auf der Straße, um die eigene Reise zu verlängern. (ist leider immer wieder zu beobachten). Ansonsten gibt es wirklich viele Möglichkeiten sich seine Reisekasse aufzubessern und sich dafür hin und wieder etwas zu gönnen. Sei es mal wieder ein gutes Restaurant oder einfach nur eine kostenpflichtige Tour die du machen willst.

Natürlich ist dieser Absatz hier nicht allgemeingültig. Bestimmt gibt es auch die einen oder anderen naturverliebten Mitmenschen die sich gerne ein Jahr von den Früchten des Waldes ernähren möchten und sich auch ohne Geld nicht eingeschränkt fühlen. Falls du dazugehörst: Chapeau! Wir könnten es nicht… (kommt vielleicht später noch, wer weiß?)

Für uns ist es wie so oft, die goldene Mitte. Wir leben während unserer Reise von unserem Ersparten, und wir haben vor auch noch was davon übrig zu lassen. Im Zweifel lassen wir die Annehmlichkeiten weg und nehmen etwas mehr Strapazen auf uns. Ein paar Kilometer Wanderung mit vollem Gepäck festigen den Charakter und man kann danach auch in jedem noch so lautem Hostel schlafen, weil man wieder weiß was „müde“ bedeutet. Außerdem ist die 3. Klasse meist lustiger als das Privat-Abteil. 

Daher reisen wir frei nach dem Motto: „Arm ist nicht wer wenig hat, sondern wer viel braucht!“

Je genauer der Plan, desto kleiner das Abenteuer!

Bitte versteh mich nicht falsch, ich liebe es Pläne zu machen. Sylvia und ich, planen nun seit einem halben Jahr an unserer Reise und es wird uns einfach nicht langweilig. Wir planen zum Beispiel unsere Reise-Ausrüstung oder gehen zur Impfberatung. Wir kümmern uns um Versicherungen, Finanzierung, Einreisebestimmungen und Behörden, … es gibt tausend Sachen vorzubereiten und zu planen. Für die meisten Sachen werden wir hier auch noch Beiträge verfassen, einfach weil mir das Planen und Dokumentieren Spaß macht. Außerdem erstellten wir unsere persönliche Bucket-Lists, mit all den Sachen die wir gerne sehen oder machen wollen. Mit all den gesammelten Daten kann man nun auch einen groben Startpunkt und eine Reiserichtung festlegen welche anhand der klimatischen Verhältnisse ins Konzept passt. Diese grobe Planung ist natürlich sinnvoll und bis auf einige ganz besonders spontane Gesellen gehört dies zu den Pflichtaufgaben für jede Reiseplanung.

Was für uns aber ein NO-GO ist:

  • Die exakte Route im Detail festzulegen 
  • Eine fixen Zeitplan aufzustellen
  • Unterkünfte und Transporte im Voraus zu buchen

Diese Punkte sind für uns nicht verhandelbar. Das höchste der Gefühle ist das festlegen der Maximaldauer der Reise. Auch ein Meilenstein mit fixem Datum, wie zum Beispiel ein bestimmtes Event kann man mit in die Grob-Planung mit aufnehmen. Alles was darüber hinaus die Reisefreiheit einschränken könnte, hat in unserem Plan nichts zu suchen. Es gibt nichts schlimmeres als mit ständigen Blick auf die Uhr  (oder Kalender)  durch die Welt zu reisen. Ein guter Planungshorizont ist für uns ca. 2-3 Tage. Für teure Buchungen maximal 2 Wochen.

Durchstrichene Uhr und grüner Haken auf Kompass

Es gibt viele Gründe für mehr Spontanität beim Reisen. Du kannst beispielsweise deine Aufenthaltsdauer jederzeit anpassen, falls dir an den letzten Tagen in einem Land noch tolle Tipps oder Aktivitäten in den Schoß fallen. Wenn du mal einen Bus verpasst, dann zuckst du mit den Schultern und nimmst den nächsten, ohne dass sofort dein gesamter Reiseplan wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzt. Die Kosten für Last-Minute Tickets sind meist ähnlich günstig, wie die Frühbucher-Rabatte. Bei Flügen kann man sich spontan für einen Tag später entscheiden und so oft hunderte Euros sparen. Wir entscheiden uns lieber für eine grobe Richtung als für einen strikten Zeitplan und lassen uns auch einfach mal ein bisschen treiben. Die Illusion, eine Langzeitreise über mehrere Monate im Detail planen zu können, solltest du so schnell wie möglich aufgeben. Aber Vorsicht, bitte vergiss nicht deine Aufenthaltsgenehmigung. In großen Ländern mit kurzer Visa-Gültigkeit kann man hier auch schon mal die Deadline überfahren, und manche Länder verstehen hier überhaupt keinen Spaß!

Reisegeschwindigkeit? Schneller ist nicht immer besser!

Straße mit Speed Limit Schild

Manche Leute kaufen sich ein Round the World Ticket und fliegen dann in 3 Wochen einmal um den Globus. Wenn das die Definition von „Weltreise“ ist, dann habe ich schon einige hinter mir, alle unter der Flagge der Automotive Industrie. Auf diesen Reisen habe ich aber außer Hotelzimmern, Fabrikhallen und dem Entertainment-System im Flugzeug nicht all zu viel gesehen. Natürlich hat man den einen oder anderen Ausflug zu den Sehenswürdigkeiten ins Land gemacht und hat viele Locals im Job kennengelernt, aber man hatte einfach keine Zeit das Land wirklich kennen zu lernen. 

Und hier sind wir auch schon bei einem der wichtigsten Themen, nämlich: ZEIT

Genauso wie einem das falsch gewählte Budget das Reise-Erlebnis verderben kann, genauso entscheidend ist es sich für die richtige Reisegeschwindigkeit zu entscheiden. Es ist auch hier wieder ein Balance-Akt.

Es gilt zwar die einfache Regel: „Je langsamer, desto besser“, andererseits hat man ja nur begrenzte Zeit zur Verfügung und knapp 200 Länder die man gerne sehen möchte. Für dieses Dilemma gibt es leider keine gute Lösung, man muss hier schlicht und ergreifend seine Bucket-List zusammenstreichen und Prioritäten setzen. Eine grobe Richtlinie für uns ist folgendes Prinzip: Wir reisen so schnell oder so langsam wie wir es für richtig halten, versuchen aber pro Land nicht unter 3-4 Wochen zu bleiben. (Ausnahmen bestätigen die Regel, z.B. bei sehr kleinen und sehr teuren Ländern) Es ist bestimmt nicht sinnvoll alle 1-2 Wochen in ein neues Land zu jetten und in keinem Land wirklich anzukommen. Außerdem ist diese Art zu reisen EXTREM anstrengend und man wird schnell vom motivierten Langzeitreisenden zum frustriertem Frühzeit-Abbrecher!  Hierbei macht es auch Sinn sich von Zeit zu Zeit mal eine kleine Pause vom ständigen „Strawanzen“  zu nehmen. Manchmal ist es einfach notwendig, eine Unterkunft für 2-3 Wochen zu behalten, um sich ein heimisches Gefühl zu erschaffen und wieder etwas zur Ruhe zu kommen. 

Wie kommt man am Besten vom Fleck?

Die Wahl der Transportmittel ist stark abhängig vom jeweiligen Land und natürlich auch von der Länge der Strecke. Manchmal ist der Zug die beste Wahl, manchmal der Reisebus und ein anderes Mal der Mietwagen. Einige kaufen sich ein Wohnmobil oder bauen sich einen Bus um, Andere machen eine Motorrad- oder Fahrradreise. Man kann zu Fuß gehen oder per Anhalter fahren, alles ist möglich. Was wir für uns als persönliches Ziel gesetzt haben, ist das Vermeiden von Flugstrecken. Es ist einfach viel zu surreal mehrere tausend Kilometer in ein paar Stunden zurück zu legen. Man muss die Entfernung spüren um zu begreifen was man schon hinter sich gebracht hat und wie groß die Erde eigentlich ist, auch wenn dies die eine oder andere Strapaze mit sich bringt. Man muss die schlechte Straße durchs indische Hinterland gespürt haben, um das Land wirklich kennen zu lernen und nicht nur darüber hinweg fliegen. Kurz: Bei einer Reise sollte immer der Weg das Ziel sein.

Bus mit Street Art bemalt

Das Vermeiden von Flügen ist leider nicht ganz so einfach wie man sich das wünschen würde. Beispielsweise würde uns die Überquerung des Atlantiks mit dem Segelschiff oder einem Containerschiff etwa das 5-fache zum Billigflug kosten. Bei so einer Preisdifferenz kann man auch mal seine Prinzipien vergessen.

Welche Unterkunft ist für wen sinnvoll?

Die Wahl unserer Unterkünfte hängt eigentlich nur vom Preis ab. In günstigen Ländern gönnen wir uns auch mal ein schönes AirBNB Studio-Apartment oder auch ein Hotelzimmer zum Ankommen in einer neuen Stadt. Je teurer das Land desto mehr verzichten wir auf Luxus und es kann auch mal ein Mehrbett-Zimmer im Hostel sein. Für ganz teure Gegenden lohnt sich manchmal auch ein Van oder Wohnmobil in dem wir schlafen können. Für dieses Thema haben wir auch keine bestimmte Vorgehensweise. Eventuell probieren wir auch mal Couch-Surfing aus, wir werden sehen. Wie weiter oben bereits erwähnt, buchen wir unsere Unterkünfte erst 1-2 Tage vorher. Dieses späte Buchen kann einem Anfangs erstmal etwas nervös machen, mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran und man merkt schnell dass es immer irgendwo noch ein freies Zimmer gibt.

Fazit in zwei Sätzen

Unsere Art zu Reisen ist günstig aber nicht geizig, spontan aber nicht chaotisch, langsam aber vielfältig und findet hauptsächlich am Boden statt. Wir versuchen die Welt, und auch uns selbst, besser kennen zu lernen in dem wir unsere Perspektive verändern und unsere Komfortzone verlassen.

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